Nach bevölkerungsbasierten
Untersuchungen in Spanien leiden etwa 3-5% der Bevölkerung an täglichen
Kopfschmerzen.
Die einzelnen Kop
fschmerzformen
A)
Primäre Kopfschmerzen
*
Die Internationale Kop
fschmerzgesellschaft (International Headache Society IHS) unterscheidet
vier primäre Kopfsch
merzformen als Ursache eines nichtsymptomatischen, primären*,
chronischen Kopfsch
merzes:
-
Migräne
-
Kopfschmerzen vom
Spannungstyp (Spannungskopfschmerz)
- Trigeminoautonome Kop
f
schmerzen (Cluster-Kopfschmerzen,
paroxysmale Hemikranie
und
SUNCT-Syndrom)
- Andere
primäre Kopfschmerzen,
darunter
schmerztherapeutisch relevant:
a)
Hemicrania continua
b) neu aufgetretene
Dauerkopfschmerzen
(engl.: new daily persistent headache)
Es gibt aber noch
weitere,
primäre Kopfschmerzen,
die weder den Migräne- noch den
Cluster-Kopfschmerzen
zuzuordnen sind (in
Abweichung von der IHS):
*
Ein primärer Kopfsch merz
ist nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische
Grundkrankheit zurückzuführen. Er gilt als eigenständige
Schmerzerkrankung,
die im Gegensatz zum symptomatischen
(= als Folge einer bekannten
Krankheit auftretender)
Kopfsch
merz nicht kausal
(= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet)
behandelt werden kann (Soyka 1989).
B)
Sekundäre Kopfschmerzen*
(Symptomatische
Kopfschmerzen)
- Ko pfschmerzen als
(zunächst) einziges Symptom
- Ko pfschmerzen als
Begleitsymptom
* Dieser Begriff
bezeichnet Kop
fschmerzen, die
als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Ursache
zurückzuführen sind.
C)
Kombinationskopfschmerzen
(kombinierte
Kopfschmerzen)
1.
Mig räne und
Spannungskopfschmerzen
2.
Mig räne und
Ergotamin-Kopfschmerzen
3.
Spannungs- und
Schmerzmittel-Kopfschmerzen
4.
andere Kombinationen
A) Primäre Kop fschmerzen:
A.1
Migräne:
Was die Presse über
unsere
Migränebehandlung
berichtet:
www.1-migraene.de/artikel1
Bei der Mig
räne
treten in typischer Weise anfallsartige,
bevorzugt
Halbseitenkopfschmerz
en (Hemicrania)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache) und Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung) sind
letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt
es hauptsächlich zwei Gruppen: Mig räne mit und
ohne Aura. Die frühere Einteilung in
einfache, klassische und komplizierte Mig
räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Mig
ränetypen:
|
Mig
räne ohne Aura |
|
Mig
räne mit Aura |
|
Mig
räne mit typischer Aura |
|
Mig
räne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hemiplegische Mig
räne |
|
Basilarismigräne |
|
Mig
räneaura ohne Kop
fschmerzen |
|
Mig
räne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Mig
räne |
|
Retinale Mig
räne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig
räne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hem
iplegie in der Kindheit |
|
Mig
räne -Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infar
kt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht
erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Mig
ränekop
fschmerzen
ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen
folgen:
- Als typische Anfangssymptome einer Mig
räne (Aura) gelten Sehstörungen, (halbseitige) sensible und
motorische (=
Bewegungs-) Störungen sowie
Dysphasie (=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
- Eine Mig
räne mit prolongierter
(=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten
und weniger als eine Woche anhält.
- Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbsei
tenlähmung
einhergehenden) Mig räne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche
Krankheitszeichen.
- Bei der
Basilaris-Migräne
gehen die Kop
fschmerzen
mit Krankheitszeichen des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen,
sensible oder motorische Störungen, Schwindel).
- Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die
Kop
fschmerzen
bei der ophthalmoplegische Mig
räne
(Schmerzattacken,
der mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergeht) überhaupt der Mig
räne zugeordnet werden können.
- Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit
(anfallsartiger Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung (Hemiplegie),
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
- Bei der "kindlichen Mig
räne"
kann auch ein
Bauchschmerz mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich
auch ein Temperaturanstieg, ohne daß
Kop
fschmerzen
vorliegen.
- Bei der retinalen Mig räne
sind die Kop
fschmerzen
von einem einseitigen
Gesicht
sfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu einer Stunde
anhalten kann.
- Als Mig räne -Komplikation
ist der Status migraenosus zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer
der Kop
fschmerzen
von mehr als 72 Stunden, trotz
Schmerztherapie.
- Eine weitere Komplikation ist der migränöse Infar
kt.
Dieser liegt vor, wenn ein ischäm ischer
(= durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (= anfängliche Krankheitszeichen einer Mig
räne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Schmerztherapie:
Zunächst muß der Patient eingehend
über die
Migräneerkrankung
aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf
anamnestisch (= aus
der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so
z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von
Streß situationen.
Therapie des akuten Migräneanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst
frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das
Vollbild der Migränekopfsch
merzen
eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten
Anzeichen erfolgen.
- Als Mittel der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von
Acetylsalicylsäure (ASS) 1-1,5g
- Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit
Paracetamol, 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder
Zäpfchen)
- Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen)
sind gegen
Migränekopfschmerzen
ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate.
Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko
verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt
abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen
werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
- Bewährt hat sich bei einem stärkeren
Migränekopfschmerz
auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol
- Auch ein Therapieversuch mit Metamizol
ist manchmal lohnend
- Ein potentes Therapeutikum bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan. Initiale Dosierung : 100mg zum Einnehmen oder
6mg unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kopfschme
rzen maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über
ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung
der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und
Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für
andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel
nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Zwischenzeitlich gibt es weitere Triptane,
z.T. auch als (Nase
n-) Spray zum schnelleren Wirkungseintritt: Zolmitriptan, Naratriptan (tlw. rezeptfrei),
Rizatriptan, Almotriptan, Frovatriptan
und Eletriptan. Zur Behandlung der hemiplegischen,
ophthalmoplegischen oder
Basilaris-Migräne sind Triptane
allerdings nicht geeignet.
- Ergotaminpräparate sind
klassische
Migränemittel
zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung von zusätzlichen
Dauerkopfschmerzen
steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro
Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll.
- Auf dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin i.m.
(= in den Muskel) oder ganz
langsam i.v. (=
in eine Blutader) versucht werden
(1-1,5mg).
- Besonders bei ausgeprägten vegetativen Mig
räne -Begleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam
(= ein Schlafmittel) sehr
bewährt, auch unter dem Aspekt,
Schmerzmittel
einzusparen, zumal die Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis
haben, sich hinzulegen.
Werden die
Mig
ränekopfschmerzen
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen
begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist
die Verabreichung von Metoclopramid sehr wirksam, zum
Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid
sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft,
diese Substanz vor einem
Analgetikum (=
Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Darm) weiterer verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der
Dopamin-Antagonist Domperidon verwendet werden, Tabletten oder
Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei Mig räne die Verabreichung einer
Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS kombiniert mit 10mg Metoclopramid und 1-2mg Flunitrazepam sehr
bewährt, bei heftigen
Schmerzen
zusätzlich 50-100mg Tramadol.
Nach einem Bericht in der Zeitung "die Welt" vom 24.2.07 kann Flüssigkeitsmangel
Mig räne bzw. eine
Migräneattacke
auslösen. Nach einer Studie der Neurologischen Universitätsklinik Wien besserte
sich bei 33 von 34 Migränepatienten der
Migräneschmerz
innerhalb von drei Stunden, nachdem sie einen halben bis dreiviertel Liter
Wasser zu sich genommen hatten.
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